Lieblingssachen, April-Edition

Der April fing so langsam an. Es hätte so schön werden können. Aber wie sich herausstellte, befanden wir uns leider in der Vorhölle. Was folgt, ist der Mai, gespickt mit Tretminen aus Bachelorarbeiten, Prüfungen und Abgabeterminen. Deswegen verzeiht, dass uns die Favourites erst so spät wieder in den Sinn gekommen sind, wir mussten uns von unserem Schock nach der Vorhölle erholen.

1. Einfach Mal kurz Urlaub machen (langstrümpfin)

Schon klar, das ist für die meisten nicht einfach, mal eben so weg zu fahren. Aber Urlaub ist weder zeitlich noch örtlich begrenzt. Urlaub kann ein Nachmittag am Balkon sein, ein Wiedersehen mit einer alten Freundin oder ein Wochenende in Rauris. Wichtig ist nur, dass man im Kopf ein bisschen woanders ist.

2. Erkennen, dass man nicht alles lesen (bzw. machen) muss (langstrümpfin)

Es gibt so Sachen, zu denen muss man sich nicht zwingen. Zum Beispiel: Ein Buch fertig lesen, nur weil man sich einbildet, dass man es muss. Jeden Artikel einer Zeitung lesen, auch wenn man ihn gar nicht interessant findet, nur weil man ein Abo hat. Eine Prüfung beim ersten Antritt schaffen, wenn es noch zwei weitere gibt. Es ist sehr okay, Dinge manchmal nicht zu tun, die dir nicht wichtig sind.

3. Sich in Gedichten vergraben (langstrümpfin)

Ganz ehrlich: Es ist anstrengend, Gedichte zu lesen. Sie sind meistens nicht in ganzen Sätzen geschrieben, wie man es halt gewohnt ist. Ihre Bedeutung muss man sich irgendwie dazu denken, weil sie nicht erklärt wird. Alles wird umschrieben, angedeutet und versteckt. Deswegen ließt man Gedichte, wenn überhaupt, nicht zum Frühstück oder stehend in der U-Bahn. Man vergräbt sich in ihnen, für einen Nachmittag, die ganze Nacht oder ein langes Wochenende. Und, oh, das ist es so wert.

4. Podcasts (langstrümpfin)

Ich lese gerade nicht viel, was es auf diese Liste schaffen könnte. Aber wenn man viel in Bibliotheken und Lesesälen sitzt, ist es schön, zwischendurch spazieren zu gehen. Beim Spazieren habe ich meine Liebe zu Podcasts wiederentdeckt. Mein all-time-favourite ist Radiolab von dem amerikanischen Radiosender NPR mit Jad Abumrad und Robert Krulwich. Die zwei erzählen in jedem Podcast eine Geschichte, die irgendwie zum Thema Neugierde passt. Die Geschichten reichen von den ersten menschlichen Zellen, die sich außerhalb des Körpers vervielfältigt haben bis hin zu der Frage, ob eine Stimme eine Wahl entscheiden kann. Auch gut finde ich: Reply-All, EINHUNDERT von DRadio Wissen und zwei Serien, die leider schon vorbei sind: Invisibilia und der Podcast von Lena Dunham „Women of the Hour“. Zu finden sind diese Serien alle in der App „Player FM“ (die ich verwende) aber es gibt sie eigentlich überall, wo man seine Podcasts halt so her kriegt.

5. Lesen (diesimulantin)

Na, wer hätte das gedacht? Auf einem Literatur-Blog, vor allem! So meine ich das aber gar nicht. Oft ist mir das Lesen ein wenig verhasst: Zwischen Bachelorarbeits- Fachbüchern und schlecht geschriebenen Tageszeitungen vergeht einem schlichtweg die Lust am Lesen. Phasen vergehen, in denen monatelang nichts g’scheits gelesen wird. Doch in letzter Zeit habe ich trotz Lese-Stress immer wieder gute Momente: So habe ich die Klemm’sche Trilogie regelrecht verschlungen, und lese gerade Alles über Beziehungen von Doris Knecht. Und beim Frühstück und in der U-Bahn den Falter. Und es freut mich und macht sogar Spaß. Endlich wieder mal.

6. Das  Leben schätzen (diesimulantin)

Okay, das kommt von jemandem, der von ein bisschen Kritik manchmal abendliche Heulanfälle bekommt. ABER: Ich bemerke doch immer wieder, wie gut es mir eigentlich geht. Ich darf etwas studieren, was mich wirklich interessiert. Ich habe liebe und spannende Freunde. Und gutes Essen. The list goes on.
Das ich auch mitunter unglücklich bin, hat weniger mit der Gesamtsituation zu tun, als mit kleinen Dingen, die mich traurig machen. Und die sollte man irgendwie öfter ausblenden. Oder vielleicht sogar daraus lernen.

7.) Zeit allein (diesimulantin)

Bevor das hier in ein Treffen der anonymen Introvertieren ausartet: Ich bin auch sehr gern unter Leuten. Und schätze es, danach Nachhause gehen und zu peinlichen Songs komisch rumtanzen zu dürfen, ohne blöd angestarrt zu werden. Und zu kochen. Und in meinem Bett ganz unbeengt schlafen zu können.
Und ein bisschen sinn-befreite YouTube – Videos anzuschauen, ohne jemanden damit zu stören: Derzeit am liebsten h3h3-Productions und Michael Buchinger. Letzterer bringt übrigens bald ein Buch raus. Neues Review-Material?

8.) Aufstehen und Tanzen (diesimulantin)

Tu es – jetzt! Stundenlang mit geneigtem Haupt und schiefem Rücken an Schreibtischen hocken tut wirklich niemandem gut. Es gibt Lösungsansätze, die Stehtische oder sogar Tische mit eingebautem Laufband vorschlagen. Wir wollen’s aber nicht übertreiben, mit der Fitness: Ich wage zu behaupten, es ist lustiger, kurz aufzustehen, und ein zwei Songs lang herumzutanzen, wie man nur tanzen kann, wenn man allein ist (oder will, dass die Kollegen einen mit ganzen anderen Augen sehen). Das beste: Ist auch eine Pause für den Kopf. Und dann geht’s ziemlich sicher wieder frischer an die Arbeit. (Ugh. Arbeit.)

 

 

Was hat euch denn im April so gefallen? Sagt es uns gerne in den Kommentaren!

Euer Wortgewald

Advertisements

Sylvia Plath für zwischendurch

Sylvia Plath ist wohl eine der bekanntesten Poetinnen, nicht zuletzt durch den ihr posthum verliehenen Pulitzer Preis für ihren Band The Collected Poems. Man muss leider sagen dass sie zum Symbol der den Suizid romantisierenden Künstlerszene geworden ist, vor allem durch den Gedichtband Ariel, der nach ihrem Selbstmord 1963 veröffentlicht wurde. Ich kann es aber den Liebhabern ihrer Gedichte nicht verübeln, dass sie den Tod durch eine Art poetischen rosaroten Schleier sehen, denn Sylvia Plaths Texte dazu, allen voran Lady Lazarus, ziehen einen mit ihrem Rhythmus, ihren brutalen Bildern und der Art, wie die Interpunktion zwischen den Versen gesetzt ist, in einen Bann. Manche ihrer Gedichte sind auch einfach #relatable, ohne, dass sie von Selbstmord handeln. Hier haben wir ein paar Auszüge aus ihnen. Weiterlesen stark empfohlen!

There is a green in the air,
Soft, delectable.
It cushions me lovingly.

I am flushed and warm.
I think I may be enormous,
I am so stupidly happy

–  Letter in November

 

What a thrill
My thumb instead of an onion.
The top quite gone
Except for a sort of a hinge
Of skin,
A flap like a hat,
Dead white.
Then that red plush.

–  Cut

 

I know the bottom, she says. I know it with my great tap root:
It is what you fear.
I do not fear it: I have been there.
Is it the sea you hear in me,
Its dissatisfactions?
Or the voice of nothing, that was your madness?
Love is a shadow.
How you lie and cry after it
Listen: these are its hooves: it has gone off, like a horse.
All night I shall gallop thus, impetuously,
Till your head is a stone, your pillow a little turf,
Echoing, echoing.
– Elm