Gruber geht vs. Gruber läuft

Während man den Ostermontag nutzt, um sich von den Oster-Strapazen des Nestsuchens und Schokohasenessens zu erholen, kann man sich ja oft kaum rühren – ideal also, um eine Fleißaufgabe zu machen, und Film zu schauen! Deshalb präsentiert Wortgewald heute exklusiv:

– Gruber geht – Buch vs. Film! – 

Was Autoren gerne hören: Das Buch war schon viel besser. Es stimmt meistens, leider auch hier. Dabei waren die selben 5 guten Schauspieler dabei, die bei keiner österreichischen Produktion fehlen dürfen, die Dialoge waren schmissig, alles sehr nett. Nur eben nicht mehr.

Gruber geht erzählt die Geschichte von Johannes „John“ Gruber, der ein typisches neureiches Business-Arschloch ist, und das eigentlich auch bleibt, egal, ob er fickt, sich verliebt, oder…das Leben zu verlieren droht. Das Buch lebt allerdings gar nicht so vom Plot, sondern eher von den Dazwischen-Dingen: Songs, die Gruber hört; Gedanken, die Gruber dabei hat; Gegenden, durch die er wankt; seine Art zu reden; seine Art, (nicht) zuzuhören – You get the point.

Der Film wirft außer ein paar schalen Dylan-Referenzen eigentlich nicht viel davon ab, und bleibt so in dieser Bobo-Dramen-Romanze stecken, in der Hauptdarsteller Manuel Rubey eh immer zu stecken scheint. Ich nehme ihm nicht so ganz den bösen, Kinder fressenden Wolf ab, den er mimen soll, und die Sätze, die ihm in den Mund gelegt werden, würden diesem so nie in Echt entströmen („…ja, und der ist auch echt schnell, aber nimm deine Dreckspfoten von meinem Lederlenkrad.“)

Also Kids, lest das Buch. Der Film ist nur das Zuckerl, für nachher, wenn man noch nicht genug hat, vom Gruber.

 

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Gruber geht, Knecht kommt: Zwei halbe Reviews und eine Buchpräsentation

Ja, wortgewald war schon wieder im phil. Wir haben es uns am Dienstag bei Wein und Naschmarktblumen gut gehen lassen und der Knecht gelauscht. Unsere Plätze haben es uns anfangs nicht erlaubt, ihr auch beim Lesen zuzuschauen, denn man konnte nicht reservieren. Ja, an dieser Stelle ein böser Seitenblick ans bibliophile Café – vor allem in Anbetracht dessen, dass der leere Tisch neben den abgelegenen zwei Sofasesseln, die wir uns gerade noch organisieren konnten, natürlich reserviert war. Und dann erst im Laufe des Abends langsam befüllt wurde.
Aber gut vorlesen kann sie, die Doris. Später, am Signiertisch, konnten wir dann sogar einen kleinen Blick auf sie erhaschen – immer spannend, wie die Person hinter den Seiten aussieht und spricht.

Nun zum Star des Abends: „Alles über Beziehungen“ ist Doris Knechts neuester Streich. Soweit man dem Klappentext und den vorgelesenen Textstellen entnehmen kann, geht es vor allen Dingen ums einander Betrügen. Hauptperson ist Viktor – fünfzigjähriger Vater von fünf Kindern, jahrelanger Lebensgefährte ([noch?] nicht Ehegatte!) Magdas und männlicher Hauptdarsteller zahlreicher kleiner und großer Affären.
Die Knecht lässt ihn seine Geschichte erzählen, und – ganz nebenbei – lässt sie auch einige andere ihren Senf dazu geben. Viktor ist zugleich schmierig und seltsam sympathisch: Er kauft sich eine umweltsündige Nespresso-Kapselkaffeemaschine, weil er morgens „ohne Kaffee nicht einmal Kaffee machen kann“ und lässt sich, wenn er das Gefühl hat, zu ungesund zu leben, von es-gut-meinenden Verwandten Gerichte mit „Knödelschwerpunkt“ auftischen.

Doris Knecht ist eine  österreichische Autorin und Kolumnistin im Falter und im Kurier.(Fun Fact: Die Kurier-Kolumne hieß jahrelang „Jetzt erst Knecht“ – ein wortgewaldiger Wortwitz!) Sie hat einen durchaus herrlichen Musikgeschmack und erzählt lange Geschichten (= ihre Romane) ähnlich, wie sie auch Alltagssituationen (= in ihren Kolumnen) beschreibt: Mit Charme und einer guten, gerade richtigen Prise Sarkasmus. Gerne auch mit dem berühmt-berüchtigten Wiener Schmäh, den die gebürtige Vorarlbergerin nach mindestens tausend Jahren Wien und einigen Jahren Flex schon sehr drauf hat. Heast, oida.

Ich lese gerade ihren ersten Roman, den 2011 erschienenen „Gruber geht“. Gruber und Viktor scheinen persönlichkeitstechnisch ähnlich veranlagt und wären im echten Leben sicher Brüder oder Todfeinde oder beides. Ich bin knapp bei der Hälfte und jetzt schon ein Fan, wie man diesem Post unschwer entnehmen kann – vielleicht also in Kürze eine ausführliche Review!

 

Alles Liebe,

eure wortgewald

Anbei bemerkt: Sehet und staunet über unser neues Wallpaper! „Selbst entworfen“, sogar.