Zwischen alten Hippie-Zausln und feministischen Kinderbüchern

Jenseits des Brunnenmarktes tut sich was. Obwohl der Mutter-Tags-Schleier der Stille liegt, wird hinter der Brunnenpassage laut geschrien, beziehungsweise vorgelesen. Dieter Braed liest aus seinem Buch, das noch gar keines ist, über das Leben Jakob Haringers. An einem mit alten Teppichen verkleideten Pult erzählt er seinem Publikum über das Leben seines Heldens. Das Publikum, das aus etwa 15 Köpfen besteht, hört gebannt zu, kommentiert und lacht an den richtigen Stellen. Damit unterscheidet es sich schon einmal stark von den Zuhörern bei anderen Lesungen, zum Beispiel bei den Rauriser Literaturtagen wo gebannte Stille der Konsens ist.

Mitglieder der Wiener Friedensbewegung bei einer Lesung

Auch sonst findet man ganz andere Menschen bei den Kritischen Literaturtag („KriLit“) in Wien. Die ausstellenden Verlage vertreten vor allem politisch linke Literatur. Von Anarchismus bis Gender Studies über Kinderbücher zum Thema Flucht ist alles dabei. Ulli Fuchs ist die Organisatorin der Veranstaltung. Sie gehört zu den, wie sie es nennt, „oiden Hippie-Zausln“ der Wiener Friedensbewegung, die auch bei den KriLit ausstellen. Außerdem gibt es am Markt_Platz der Caritas noch auf LGBTQ+-Themen spezialisierte Buchläden und Kinderbücher über schwule Pinguine. Außerdem Stefanie Sargnagels Bücher. Damit stellt die KriLit einen bewusst krassen Gegensatz zur Mainstream-Literatur da, die man zum Beispiel auf der BUCH Wien findet (bis auf Stefanie Sargnagel).

Ein anderer, der einen Unterschied machen will, ist Wolf Peterson. Der Verleger aus Wien Hietzing  veranstaltet Lesetage für Kinder. Die Bücher werden ihm von Verlagen zur Verfügung gestellt, Förderung vom Bezirk bekommt er dafür keine. Obwohl er, in dem er Kinder zum Lesen und zur Diskussion anregt, ein kleines bisschen Bildungsauftrag erfüllt. Bei den KriLit stellte er eine Leseecke bereit, mit Kissen, Decken und einem ganzen Tisch voller Kinderbücher.

Ulli Fuchs veranstaltet die Kritischen Literaturtage schon zum 8. Mal. Sie freut sich, dass es so viel Enthusiasten für alternative, Literatur gibt. „Es braucht halt jemanden, der das so heraustragt.“ Dieter Braeg, der auch bei den KriLit ausstellt, ist so jemand. Er hat die Kritischen Literaturtage nach Salzburg gebracht. Dort stellen vor allem deutsche Verlage aus.

Wer neugierig geworden ist, hier geht es zu den Ausstellern der KriLit von diesem Jahr. Die KriLit in Salzburg finden Ende November statt.

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Brügge sehen und lesen

Belgien ist nicht viel anders als die Niederlande. Es gibt weniger Deiche, weniger Radfahrer und die Leute sprechen weniger gut Englisch. Was Belgien aber hat, ist Brügge.

Brügge ist ein wunderschönes Fleckchen Erde – mit Deich, Trauerweide und natürlich Buchläden.

Und weil Bilder mehr sagen als ich jemals tippen könnte, hier ein paar unserer Lieblingsfotos:

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Endlich im biplio.phil

Jetzt waren wir endlich mal da. Im Bobo-Paradies, Instagrampost-Materiallager und einer absoluten Empfehlung für Leute, die Zeit zum Frühstücken und Bücherstöbern haben.

Schon länger geistert dieser Hafen für biblio., audio., cine., und retro.phile durch unsere Blog-Themenliste. Endlich waren wir dann auch mal gleichzeitig im selben Land, um diesem gar-nicht-Geheimtipp einer knallharten Wortgewald-Prüfung zu unterziehen. Aber ganz ehrlich: wäre ein (W)Ort nicht gut, würden wir ihn euch auch gar nicht vorstellen. Also hier: Alles, Was Uns So Gefallen Hat.

Das Frühstück im phil (1060 Wien, Vienna, Wenen) war so fantastisch wie der Soundtrack, der es begleitet hat. Trotzdem fiel es uns nicht schwer, es lächerlich lang zu ziehen und nicht, wie ein übliches Frühstück, in drei Minuten zu inhalieren. Unserer sitzenbleibwürdigen Couch gegenüber befanden sich nämlich eye-catcher Cover und Regalbeschriftungen zum Dahinschmelzen.

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Obwohl wir uns recht schnell für ein Frühstück entschieden, behielten wir doch die Speisekarte einige Zeit im Auge. Und schmolzen ein bisschen.

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Nach der wohlverdienten Stärkung bei Vintschgerl und Tee begann der harte Blogger-Alltag wieder. Ganz hibbelig machten wir uns ans Stöbern, äh, an die Recherche! Nur mit echter Willenskraft schafften wir es aus der heimtückischen Falle für Biblio.phile, ohne auch nur ein einziges Buch zu kaufen. Das lag vielleicht auch an der schieren Überforderung angesichts der 21941295467 Büchern, die wir hier gerne vorstellen/verschenken/selber lesen würden und der anschließenden Erkenntnis, dass man eh nicht alles mit nach Hause schleppen kann. Also hinterlassen wir noch ein paar graphische Eindrücke für die, die noch nicht da waren. Außerdem eine wahre Ans-Herz-Legung.

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(W)Orte – Büchernerd-Paradies Amsterdam

Manche kommen nach Amsterdam wegen dem Anne-Frank-Haus, manche wegen den Coffeeshops. Ich war in Amsterdam, und werde sicher noch öfter hinkommen, wegen den Büchern. Es gibt Teile von Amsterdam (etwas abseits der Shoppingstraßen, aber nicht schwer zu finden), die sind einfach VOLL  von Büchern. I shit you not.

Da wäre das epische American Book Center an der Spui, nicht unweit des Amsterdam Museums. Ich hätte Stunden dort verbracht, hätte man mich gelassen. Es gab englische Bücher zu absolut jedem Thema, alle Klassiker, ein Paradies für Sci-Fi- und Fantasy-Nerds, undundund.

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Ums Eck vom ABC befindet sich der Begijnhof, den wir zufällig entdeckt haben. Dieser war früher Zuhause für Frauen, die ähnlich wie Nonnen lebten, allerdings ohne ein Gelöbnis abzulegen, sich also frei bewegen konnten. Dort befindet sich übrigens auch das älteste Haus Amsterdams. Fragt mich nicht mehr wo (meine Recherche ergab leider auch nix), meine Orientierung, ich sags euch, aber dort in der Nähe gab es eine kleine Straßen. An den Wänden dieser Straße befanden sich mysteriöse Boxen. Die meisten waren mit einem Schloss versehen, bis auf eine. Schamlos neugierig wie ich bin, musste ich diese Box natürlich öffnen. Um ehrlich zu sein erwartete ich nur Streusalz für den Winter. ABER DANN:

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Da sieht man mal wieder, neugierig sein lohnt sich. Ich habe die Bücher natürlich dort liegen lassen.

Vom Bücherfundglück beflügelt ging ich die kleine Straße entlang, die in einen breiten, offenen Gang durch ein Haus führte. Dort gab es rechterhand kleine Räumlichkeiten, bis oben hin vollgestopft mit Büchern. Gegenüber den Lädchen waren Tische aufgebaut, die mit weiteren antiquarisch anmutenden Büchern belegt waren. 20161019_121135 20161019_121148 20161019_121141 20161019_121204 20161019_121215 20161019_121219 20161019_121303

Mein bibliophiles Herz bekam fast einen Anfall. Nicht genug mit diesen Fundstücken, stieß ich nachher noch auf einen kleinen Bücherflohmarkt, und auf ein weiters Buchantiquariat.

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Und was lernen wir daraus? Es gibt überall Buchschätze. Man muss nur ein bisschen seiner Nase folgen.

Habt ihr auch mal zufällig so ein Fundglück gehabt? Oder kennt ihr noch andere (W)Orte in Amsterdam, die ihr mir empfehlen könnt? Dann hinterlasst doch einen Kommentar!

(W)Orte: Boekhandel v/h van Gennep in Rotterdam

Mich hat es mal wieder auf Reisen verschlagen. Diesmal hat mich das fantastische niederländische Zugnetz in Rotterdam ausgespuckt. Um ehrlich zu sein ist mir die Stadt doch etwas zu industriell. Jenseits der Erasmusbrücke sah es etwas mehr nach meinem Geschmack aus, aber der Nieselregen hat mich dann doch in die Läden der Fußgängerzone gedrängt. Unter anderem in diesen.

Der Boekhandel (sprich: Buckhandl) v/h van Gennep hat mich vor allem durch die fantastischen Pullover in der Auslage angesprochen. Drinnen gab es dann eine Menge Foto- und ausgesuchter Kinderbücher, die sogar ich mit meiner bröckeligen niederländischen Basis verstehen konnte. Außerdem eine kleine aber feine Auswahl an englischen Büchern, die ich mir abfotografiert habe, zwecks Wunschlisten-Hinzufügung versteht sich. Hier überlasse ich euch jetzt den bildhaften Eindrücken.

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Bücher, woanders – Utrecht

Mich hat das Weggeh-Fieber und ich daraufhin mein Köfferchen gepackt. Mein vorläufiges Zuhäusschen befindet sich knapp eine halbe Zugstunde von Amsterdam entfernt, im wunderschön flachen Land des Käses und der Scheiß-auf-das-Meer-wir-brauchen-mehr-Platz-Einstellung.

Meine temporäre Wa(h)l-Heimat ist nicht besonders groß, weist dafür aber eine erfreuend hohe Dichte an Buchläden auf. Und weil Bilder mehr als Worte sagen (außer es handelt sich um Verfilmungen, in dem Fall sagt das Buch vermutlich um einiges mehr), hier ein paar Eindrücke:

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Second-Hand Bücher aus Andalusien

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Am Fuße des malerischsten Teils einer wunderschönen, stark von Touristen frequentierten Stadt erwartet man vielleicht Trödelläden voller Ansichtskarten, Souvenirs und überteuerte „authentische“ Restaurants. Was man aber findet, wenn man sich ein paar Schritte in den Albaicín, Granada, hineinwagt, ist ein kleiner Raum, der das Herz jedes Schmökerliebhabers höher schlagen lässt.

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Die Buchhandlung „Sostiene Pereira“, übersetzt: „Erklärt Pereira“, ist einfach lächerlich vollgestopft mit Büchern. Kein Stückchen Wand ist in dem kleinen Antiquariat zu sehen. Regale bedecken jeden freien Quadratzentimeter. Wo kein Regal mehr ist, werden Bücher einfach aufeinander gestapelt. Für noch mehr Stauraum stehen Tische vor den berstenden Regalen. Eine Spielwiese für Fanatiker von praktischen IKEA-Möbeln.
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OLYMPUS DIGITAL CAMERADer Name der Buchhandlung geht auf den 1994 erschienenen Roman des italienischen Autors Antonio Tabucchi zurück. Das Buch „Erklärt Pereira – Eine Zeugenaussage“ handelt von zwei Journalisten im portugiesischen Pereira 1938, die sich gegen die das Land erdrückende Zensur wehren. Tabucchis Roman wurde hochgepriesen, was wohl der Grund für die nach ihm benannte Buchhandlung ist.
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Die Bücher in Sostiene Pereira sind alle gebraucht, aber in gutem Zustand. Es finden sich Schätze wie die ein oder andere Originalausgabe vom Kleinen Prinzen und einige „Gesammelte Werke“ von diversen Autoren, außerdem viele Geschichts- und Kunstbände. Die Titel sind alle nur auf spanisch erhältlich, dafür aber auch über den praktischen Online-Shop der Buchhandlung.
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Rechts vom Laden wurden hunderte Bände einfach am Boden gestapelt. Daneben führt eine Tür zu einer kleinen Bühne, auf der ab und zu Lesungen stattfinden.
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An einer Tafel neben der Eingangstür prangt das Motto des Ladens, dem wahrscheinlich kein Buchliebhaber widersprechen wird: Regala un libro, regala un mundo. – Gibst du ein Buch, gibst du eine Welt.