The Handmaid’s Tale – Buch vs. Serie

Wie bereits in den Favourites angekündigt, habe ich mir vor kurzem die Serie zum Buch „The Handmaid’s Tale“ reingezogen. Und das, wie man sich verliebt oder einschläft: Erst langsam und dann ganz schnell.

Die Ver-Serie-ung des dystopischen Klassikers von Margaret Atwood fängt nämlich ziemlich vermurkst an. Mit lauter Momenten, die im Buch erst ganz am Ende vorkommen, unnötige Veränderungen der Charaktere und überhaupt baut sich die Welt ganz anders im eigenen Kopf auf, wenn man von ihr liest.

Das vorweggenommen, ist die Serie wirklich gut. Also richtig gut. Absolute Empfehlung!

Ich würde allerdings dringend empfehlen, das Buch zu lesen bevor man sich die Serie anschaut. Denn tatsächlich könnte man die Handlung im Buch in einem gut zwei Stunden langen Film zusammenfassen, ohne etwas weglassen zu müssen. Da die Serie aber 10 Folgen lang werden sollte, kann man sich ja denken, dass einiges hinzugedichtet wurde. Würde man jetzt also das Buch erst nach der Serie lesen, hätte man eine komplett falsche Vorstellung der Handlung und der Charaktere und fände das Buch vielleicht sogar etwas „lasch“. Was es nicht ist! Es ist gut und furchtbar gleichzeitig und „echt oag“, wie mir eine Freundin gesagt hat.

Dass die Serie so weit vom Buch abweicht, hat mich furchtbar geärgert. So sehr nämlich, dass ich die Serie in den ersten 5 Folgen verflucht habe. „DAS PASSIERT DOCH ALLES GAR NICHT IN ECHT!“, habe ich den armen Bildschirm angeschrien, der ja eigentlich gar nichts dafür kann.

Aber: Das Buch passiert auch nicht in echt (zum Glück), und viele der Dinge, die in der Serie passieren, könnte die Protagonistin im Buch auch nicht wissen. Sie erzählt ja nur ihre Rekonstruktion der Ereignisse, die ihr widerfahren sind, und weiß nicht, was den anderen Charakteren passiert.

Okay, was passiert da jetzt eigentlich: Im Gegensatz zu „1984“ scheint nämlich niemand „The Handmaid’s Tale“ in der Schule gelesen haben zu müssen, also hier die Kurzfassung: Die US-amerikanische Regierung wurde von einer Reihe Bibel-zitierender Männer mit Maschinengewehren gestürzt und eine neue Gesellschaft wurde etabliert. Denn: Die Bevölkerungszahlen sinken so stark, dass die Menschheit droht, auszusterben. Frauen dürfen nichts mehr besitzen oder arbeiten. Die wenigen fruchtbaren unter ihnen, die „Handmaids“ (Mägde) genannt, werden versklavt, gefoltert und müssen sich von den reichen Ehemännern unfruchtbarer Frauen schwängern lassen. Das Buch erzählt die Geschichte aus der Sicht einer von Ihnen, die es nicht geschafft hat, rechtzeitig nach Kanada zu fliehen.

Obwohl die Serie sich ungefähr so zum Buch verhält wie FanFiction zum Original, sehe ich das jetzt nicht mehr als einen Mangel an. So wie normalerweise das Buch viel mehr Nebenhandlungen und Details aufweist als die Verfilmung, wird hier der Spies umgedreht. Die Serie ist nicht nur eine Adaption, sondern vielmehr eine Erweiterung der Handlung. Sie ist die lebendig gewordene FanFiction, die morbide Fans über das Buch schreiben würden.

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Die Verfilmung einer unmöglichen Geschichte

Ich hab mir schon überlegt, ob ich eine neue Kategorie für all die ungeliebten, aufgegebenen und verhökerten Bücher anlegen soll, die ich aus den Bananenkisten auf Flohmarkstandln ziehe. So was wie „Flohmarktfünde“ oder „Second Hand Pages“. Das würde jedoch fast jedes Buch mit einfassen, dass ich hier vorstelle. Also dann doch nicht.

Dieses Mal bringe ich euch vom Tisch der ungeliebten Bücher (nach Kopfstücke, Memoiren einer Überlebenden und Eine kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch): Schwarz – Der Dunkle Turm. Das ist das zweite Buch, das ich jemals von Steven King ganz gelesen habe. Andere seiner Bücher habe ich zwar angefangen, nach ein paar Seiten, durch die ich mich durchquälen musste, aber wieder beiseite gelegt. Mir war sein Stil damals (auch wenn ich seine Sprache sehr schön fand) zu elaborativ, die Story schien sich nur sehr, sehr schleichend zu entwickeln. Anders erging es mir mit Carrie, von dem ich auch die Verfilmung sehr gut fand. Vielleicht lag das ja an seiner Kürze. Gar nicht kurz ist allerdings die Buchreihe, die Steven King 1982 angefangen hat, auf den Markt zu hauen (die einzelnen Kapitel wurden schon in den zwei Jahren davor veröffentlicht). Den ersten Teil, Schwarz, habe ich gerade minder begeistert fertig gelesen.

Mein Interesse an diesem Buch belief sich 1. darauf dass Steven King wahnsinnig beliebt ist 2. ich es für circa 40 Cent gekauft habe und 3. es wohl bald als Serie verfilmt wird. Die Geschichte hinter der hoffentlich-dann-endlich-bald-passierenden-Verfilmung der Reihe ist die folgende: Steven King hat erst nur J. J. Abrams anvertraut, die Bücher so zu verarbeiten, dass die Verfilmung ihnen gerecht wird. Er bat ihm die Rechte für symbolische 19 Dollar an, aber J. J. Abrams lehnte ab, da er sich an so ein langfristiges Projekt nicht herantraute. Dann sollte die Buchreihe in 3 Filmen und einer begleitenden TV-Serie umgesetzt werden. Das ganze wurde zeitweise abgesagt, Darsteller wurden genannt und dann wieder geändert, das ganze hätte Januar 2017 in die Kinos kommen sollen. Daraus wurde jetzt ein Kino-Start 2018, zeitgleich mit der Serie im TV und Streaming-Diensten. Man darf gespannt sein!

Tatsächlich fühlte ich mich nach dem Lesen des ersten Teils, Schwarz, als hätte ich gerade die ersten zwei Folgen einer Serie gesehen. Die Welt ist nur umrissen, Charaktere werden vorgestellt und verschwinden gleich wieder (weil sie wohl eh nicht so wichtig waren) und man versteht in etwa was passiert, aber nicht unbedingt warum und wieso und wo das ganze hinführt. Geschrieben ist das ganze recht ordentlich. Das ist leider das beste, was ich darüber sagen kann, denn die deutsche Übersetzung hinkt leider oft sehr hinterher. Manche Wörter wurden zum Beispiel einfach eins zu eins eingedeutscht; Oder kann mir jemand sagen was das Wort „avatieren“ bedeutet? Es kommt im Buch zwei Mal vor und ich habe noch keine Erklärung dazu gefunden.

Die Story dreht sich um den „Revolvermann“, der anscheinend als letzter seiner Art den „Mann in Schwarz“ sucht. Der ist nämlich ein böser Zauberer und muss daher getötet werden. Der Weg dorthin ist natürlich nicht gerade leicht zu bewältigen. Mehr kann ich nicht verraten, außer vielleicht, dass das ganze in einer seltsamen zukünftigen Welt stattfindet (zumindest im ersten Teil, anscheinend spielen die anderen in zu anderen Zeiten), in der es Mutanten, Vampire, Zauberer und solchen Klamauk gibt. Und Revolvermänner. Ich freue mich jedenfalls total auf die nächsten Bücher! Einfach, weil ich mir dann die Serie anschauen und allen, die sie mögen, sagen kann, dass die Bücher viel besser waren. Auf geht’s!

Lesen, zum Anschauen

Let’s face it: Lesen ist nicht die sozialste Sache, die man machen kann. Schreiben auch nicht. Aber, sollte einer dieser unausweichlich sozialen Momente kommen, in denen man einen Film mit jemand anderem anschauen muss (kann, darf, was auch immer), kann dieser ja zumindest vom Schreiben handeln. Oder vom Lesen.

Der Club der toten Dichter ist einer dieser Filme, der verbucht wurde (im Gegensatz zu verfilmt), damit Lehrer ihre Schüler zwingen können, ein Buch zu lesen, das denselben inspirierenden Kontext hat wie der Film. Robin Williams wird als Englisch-Lehrer in einem Jungen-Internat angestellt. Sein Freigeist steht im krassen Gegensatz zum üblichen Gedichte-Interpretieren, dass die Schüler gewohnt sind. Inspiriert von etwas, das nicht furchtbar wie der Internatsalltag ist, frönen sie der Dichtkunst wie dem Alkohol und treiben allerlei anderen Schabernack. Bis zum Ende, das ziemlich unschön ist, aber dadurch die Message des Films noch einmal fett unterstreicht.

The Shining hat wahrscheinlich eh schon jeder gesehen, genau wie den Club der toten Dichter. Geschrieben wird nur ein einziger Satz im Film (und der immer und immer wieder). Trotzdem ist das Schreiben der Grund warum alles in diesem Film passiert, warum Jack Nicholson durchdreht (nicht wegen Geistern) und warum er so gruselig ist.

Spotlight ist die Verfilmung einer wahren Begebenheit. Es geht um das „Spotlight“- Investigativ-Team von Journalisten der amerikanischen Zeitung The Boston Globe. Anfang der 2000er Jahre deckten die eine Geschichte über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche, die Boston fest in der Hand hat, auf und gewannen damit einen Pulitzer Preis. Ich empfehle diesen Film allen, aber vor allem Menschen, die sich für journalistisches Schreiben interessieren.

Perks of being a Wallflower ist so ein Film, den nur eine bestimmte Generation von Menschen kennt (meine), beziehungsweise die Hipster der Zukunft. Er ist die wundervolle Verfilmung vom gleichnamigen Buch (oder auf Deutsch: Vielleicht lieber morgen) von Steven Chbosky. Es geht um Charlie, der nach dem Selbstmord seines Freundes die Schule wechselt und immer wieder mit einem geringen Selbstwertgefühl und halluzinatorischen Episoden zu kämpfen hat. Charlie schreibt Briefe, in denen er sein Leben erzählt, und was er davon hält. Außerdem spielen die Bücher, die er von seinem Englisch-Lehrer zugesteckt bekommt, eine wichtige Rolle in seinem Leben. UND der Film hat einen wunderschönen Soundtrack, den man sich hier anhören kann.

Bonus: Girls ist zwar kein Film, aber trotzdem gut. Hannah versucht, neben komischen Episoden mit Männern und den Nebenhandlungen ihrer (mehr oder weniger nervigen) Freundinnen, als Autorin in New York bekannt zu werden. Sie durchlebt die berühmten unbezahlten Praktika, die eh nie ein Job werden, das fast-schon-ein-Buch-verkauft-haben, dass dann doch nichts wird und das Scheitern bei dem Versuch, gleichgesinnte Schreibende zu finden, ohne sie zu beneiden. Man greift sich so oft ans schreibende Herz, bei dieser Serie. Außerdem ist sie auf eine Sex and the City-Art witzig. What else?

 

 

Gruber geht vs. Gruber läuft

Während man den Ostermontag nutzt, um sich von den Oster-Strapazen des Nestsuchens und Schokohasenessens zu erholen, kann man sich ja oft kaum rühren – ideal also, um eine Fleißaufgabe zu machen, und Film zu schauen! Deshalb präsentiert Wortgewald heute exklusiv:

– Gruber geht – Buch vs. Film! – 

Was Autoren gerne hören: Das Buch war schon viel besser. Es stimmt meistens, leider auch hier. Dabei waren die selben 5 guten Schauspieler dabei, die bei keiner österreichischen Produktion fehlen dürfen, die Dialoge waren schmissig, alles sehr nett. Nur eben nicht mehr.

Gruber geht erzählt die Geschichte von Johannes „John“ Gruber, der ein typisches neureiches Business-Arschloch ist, und das eigentlich auch bleibt, egal, ob er fickt, sich verliebt, oder…das Leben zu verlieren droht. Das Buch lebt allerdings gar nicht so vom Plot, sondern eher von den Dazwischen-Dingen: Songs, die Gruber hört; Gedanken, die Gruber dabei hat; Gegenden, durch die er wankt; seine Art zu reden; seine Art, (nicht) zuzuhören – You get the point.

Der Film wirft außer ein paar schalen Dylan-Referenzen eigentlich nicht viel davon ab, und bleibt so in dieser Bobo-Dramen-Romanze stecken, in der Hauptdarsteller Manuel Rubey eh immer zu stecken scheint. Ich nehme ihm nicht so ganz den bösen, Kinder fressenden Wolf ab, den er mimen soll, und die Sätze, die ihm in den Mund gelegt werden, würden diesem so nie in Echt entströmen („…ja, und der ist auch echt schnell, aber nimm deine Dreckspfoten von meinem Lederlenkrad.“)

Also Kids, lest das Buch. Der Film ist nur das Zuckerl, für nachher, wenn man noch nicht genug hat, vom Gruber.

 

A series of unfortunate events: Why you really should look away

Ich habe mir mit dieser Review Zeit gelassen, um sowohl Daniel Handler’s Jugendbuchserie, ihre filmische Adaption „Lemony Snicket – Rätselhafte Ereignisse“ als auch die Netflix-Serie „A series of unfortunate events“ noch einmal s(n)ickern zu lassen.
Ich habe zum möglichst direkten Vergleich nochmal den Film gesehen und versucht, meine Freude über eine Netflix-Adaption des Baudelaire- Stoffs wiederzufinden. Hilft alles nichts:


A series of unfortunate events – Bücher vs. Film vs. Serie!

 

1.The Bad Beginning: Der erste Eindruck

Es beginnt beim Titelsong. Neil Patrick Harris rät uns singend, die neue Netflix- Serie nicht anzuschauen. Eine Strategie, die als running gag in den Büchern hervorragend funktioniert: Lies nicht weiter, nimm ein anderes Buch – vielleicht eines mit Happy End, voller glücklicher Momente. – Wer wird da nicht hellhörig und will unbedingt weiterlesen?
In der Filmadaption beginnt zunächst ein fiktiver Zeichentrickfilm namens „The littlest elf“, in dem ein breit grinsender Elf kichernd herumläuft, ehe die Geschichte tatsächlich beginnt. Brillant? – There’s more.


2.The Reptile Room: Der Stoff

An einem nebeligen Tag an der Küste einer größeren Stadt bringt der Bankangestellte Mister Poe den drei Kindern Sunny (Kleinkind), Klaus (12) und Violet (14) Baudelaire bei, dass ihre Eltern bei einem schrecklichen Feuer ums Leben gekommen sind, welches ihr Zuhause in (buchstäblich!) Schutt und Asche zerlegt hat. Die Baudelaire-Waisen bekommen einen neuen Vormund: Den grausigen Graf Olaf, welcher sie auf jede nur denkbare Weise massakriert, und alles versucht, um an ihr Vermögen zu kommen. Dieses steht Violet zu, sobald sie volljährig ist.
Die Kinder können den Klauen Graf Olafs gerade noch entkommen, doch fortan begleiten er und seine Theatertruppe sie in fadenscheinigen Kostümierungen zu jedem neuen Vormund, um diesen zu beseitigen. Glücklicherweise besitzen die Kinder spezielle Fähigkeiten: Sunny hat sehr scharfe Zähne und beißt gern, Klaus liest gern und weiß viel, und Violet ist angehende Erfinderin.
– Die hard facts sind bei allen drei Medien gleich. Zur Umsetzung unten mehr.


3.The Wide Window: Der Ton

Damit sind in unserem Fall nicht die Soundeffekte gemeint (nein, leider hat auch diese Buchserie keinen komplementären Soundtrack – warum hat das eigentlich noch nie jemand gemacht?), sondern die generelle Stimmung der Erzählung.
Im Buch herrscht durchwegs melancholische, düstere Stimmung. Dies ist vom Autor auch sehr bewusst gesetzt – er schreibt von ihrem Elend und ihrem Schmerz, mit ganz kurzen Glücksmomenten, die Graf Olaf rasch wieder vertreibt.
Im Film wird daran angeknüpft – es ist alles dunkel, düster und irgendwie dreckig, vom Gewand der Kinder bis zu Graf Olafs Humor. Es werden durchaus Tragik-komische Elemente eingebaut. Nicht zuletzt die Wahl der Schauspieler (Jim Carrey!) beeinflussen den Ton maßgeblich. Und Sunnys Sarkasmus, natürlich.
Die Dialoge in der Netflix-Serie hingegen lassen die Baudelaires leider unsympathisch überheblich wirken – die bunten Gewänder in der düsteren Gegend lassen sie zu Paradiesvögeln werden. Doch: Wenn sie wirklich so die Überhand haben, wie kann Olaf sie dann immer noch überlisten?

4.The Miserable Mill: Der Schreibstil vs. Die filmische Adaption

Der Schreibstil ist, für eine Jugendbuchserie (- als Kinderbücher würde ich sie keinesfalls bezeichnen) recht speziell: Viele (mir) bis dato unbekannte Wörter kommen vor, die von Lemony Snicket selbst oder dem sehr belesenen Klaus Baudelaire gerne und oft erklärt werden. Zudem stoppt die Handlung oft, damit Lemony Snicket auf etwas vorgreifen und spätere Ereignisse anteasern, sowie Vergangenes wieder aufleben lassen kann.
Der Film, der inhaltlich nur die ersten drei Bücher behandelt, hält sich in der Wahl der Mittel, um die Geschichte zu erzählen, sehr an das Buch, welches recht oft szenische Beschreibungen enthält. Das ist insofern gut, wenn man nach dem Lesen die Charaktere und Schauplätze bereits vor Augen hat, und jede Abweichung einem unangenehm im Magen liegt.
Die Serie nimmt bewusst eine ein wenig andere Richtung, verkommt jedoch zu einer Art Pushing Daisies ohne Liebe in noch stärkeren Wes Anderson- Farbkombinationen. Ein Beispiel: So werden etwa die Fähigkeiten, die die Kinder haben, am Anfang des Films minutiös veranschaulicht – genau wie im Buch beschrieben. In der Serie wird nur kurz erzählt, welche Hobbies sie nicht hätten. Obwohl die Serie viel mehr Sendezeit zu füllen hat. Die dann oft mit Singen vergeudet wird.

5.The Austere Academy: Die Illustrationen vs. Die Schauspieler

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Okay, das ich ein riesiger Fan der Illustrationen von Brett Helquist bin, habe ich an anderer Stelle schon einmal gesagt.
Die Schauspieler des Films ähneln diesen Illustrationen sehr – nicht zuletzt auch wegen der düsteren Farbgebung. Die Serie möchte sich da bewusst vom Film unterscheiden, was zur Folge hat, dass die Charaktere oft grauenhaft überzeichnet sind. Liegt nicht zuletzt an der Wahl der (sicherlich sonst ausgezeichnet spielenden) Schauspieler.

6.The Ersatz Elevator: Jim Carrey vs. Neil Patrick Harris aka Wer ist Graf Olaf?

graf olaf

Natürlich weiß niemand so richtig, wer der Mann hinter der Augenbraue wirklich ist. (Spoiler: Nicht einmal die, die alle 13 Bände der Buchserie gelesen haben!)
Jim Carrey schafft es jedoch scheinbar mühelos, dem Theaterkünstler und professionellen Bösewicht Tribut zu zollen. Allein für seine bezaubernde Dinosaurier-Darbietung verdient er den Platz als Olaf #1.
That said: Neil Patrick Harris macht seine Sache (fast) ebenso wunderbar. Er hat damit zu kämpfen, in große Fußstapfen treten zu müssen, und dabei die generelle Richtung der TV-Serie beizubehalten. Schwierig, aber ausgezeichnet! Seine Verkleidungen wirken einen kleinen Tick aufgesetzter, doch zugleich zeigt er Graf Olafs gehässige Seite vielleicht sogar ein wenig deutlicher. Kudos für diese Schauspieler-Wahl.

7.The Vile Village: Violet Baudelaire

violet

Violet ist Erfinderin, und bindet sich ihr Haar beim Erfinden immer mit einem Band aus den Augen. Sie ist die Älteste, und fühlt sich verantwortlich für ihre jüngeren Geschwister. Es lastet ein großer Druck auf ihr, dem sie nicht immer standhalten kann – so herrlich ehrlich wird Violet in der Buchserie beschrieben.
Ihre filmische Adaption, weil sich sehr an die Vorlage haltend, steht ihrem literarischen Selbst um nichts nach.
So gut Graf Olaf auch von Netflix gewählt wurde, so ein Fehlgriff war Violet – sie ist garstig (um nicht zu sagen, goschert) und unvorsichtig, und besonders erfinderisch ist sie auch nicht. Naja.

8.The Hostile Hospital: Klaus Baudelaire

klaus

Klaus ist der Mittlere. Er ist sehr belesen und dadurch recht klug – lässt man ihn lang genug überlegen, findet er selten keine Lösung für die Probleme der Waisen. In den Büchern wird seine Tätigkeit gut beschrieben: Er liest. Angestrengt. Stundenlang. Bis ihm die Augen zufallen. Es gibt eine Stelle, an der er immer wieder die selbe Zeile liest. Es gibt eine Stelle, an der er immer wieder die selbe Zeile liest. Es gibt eine Stelle, an der er immer wieder die selbe Zeile liest. – Ein unglaublich gewieftes Stilmittel.
Wennimmer Klaus im Film überlegt, sind die Wände einer nach verschiedenen Kategorien geordneten Bibliothek zu sehen, aus deren Wänden dann die Bücher geschoben werden, die er sich für diese konkrete Überlegung ins Gedächtnis ruft.
In der Serie? Genau – da ist er einfach schlau. Nicht schlau genug, um sie aus ihrer misslichen Lage (soll hier heißen: von Graf Olaf) zu befreien.

 

9.The Carnivorous Carnival: Sunny Baudelaire

sunnySunny beißt gerne – eine oft recht nützliche Fähigkeit, und ungewöhnlich für ein Kleinkind. Sie kann noch nicht richtig sprechen, doch ihr Gebrabbel wird uns von Lemony Snicket oder ihren Geschwistern „übersetzt“ – zumeist in sarkastische Äußerungen oder Observationen, die die Geschichte vorantreiben.
Im Film ist Sunny ein süßes kleines Mädchen mit erstaunlichen Fähigkeiten, das sich auch mal fürchtet oder schon schlafen muss, wenn ihre Geschwister noch aufbleiben.
In der Serie ist sie eine computeranimierte Puppe, die böse Leute beim Kartenspielen besiegt und mit ihren Monsterzähnen in sekundenschnelle Baumstämme abnagen kann – sehr badass, zweifellos. Nur halt nicht wie im Buch.

10.The Slippery Slope: Die anderen Vormunde (Vormünder?)

Onkel Monty: Doktor Montgomery Montgomery ist ein innerlich geplagter Mann, der seine gesamte Familie bei einem Feuer, ganz ähnlich dem Baudelaire-Feuer, verlor. Er weckt in den Waisen eine Liebe zu Amphibien aller Art, bäckt ihnen Kuchen und spielt für sie Musik.
Im Film: Alles so wie beschrieben. In der Serie: Kaum Backstory. Monty ist irgendsoein Weirdo, um den es am Ende eh nicht wirklich schade ist.

Tante Josephine hat irrationale Phobien aller Art. So hat sie beispielsweise panische Angst, Türknäufe könnten zerspringen, und Splitter davon in ihre Augen dringen – deshalb drückt sie aus Prinzip nur gegen das Holz der Tür. Sie ist eine durchwegs seltsame, schrullige Person.
Meryl Streep nimmt man diesen Wahnsinn sogar ab, Alfre Woodard  stellt sie sehr überzeichnet dar. Auch hier: sehr große Fußstapfen, schlechteres Drehbuch.

– alle anderen kann man nicht miteinander vergleichen, da“Lemony Snicket – Rätselhafte Ereignisse“ die Geschichte nur bis Band 3 abdeckt.


11.The Grim Grotto: Daniel Handlers Wirken

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Handler’s Buchserie unter dem Pseudonym „Lemony Snicket“ wurde konstant schlechter. Versteht mich nicht falsch: Ich habe die Bücher mit Genuss gelesen – um danach verzweifelt aufzustöhnen. Tausende Fragen werden aufgeworfen, ein paar wenige beantwortet, dafür einige doppelt und dreifach. Was bedeuten die Initialen „FF“ – ALLES. In jedem Buch etwas anderes.
Nachdem Nickelodeon Movies die Filmrechte gekauft hatte, mischte sich der Autor nicht mehr in die Produktion mitein.
Die Netflix-Serie ist Co-written von Handler, er steuerte auch Songlyrics bei und muss wohl auch den leichten Änderungen im Plot zugestimmt haben. ( – Teile der Story werden deutlich früher eingeführt und teilweise verändert.)
Ein klares Zeichen dafür, dass der Einbezug des Autors gar nicht immer das beste Ergebnis einer Verfilmung bedeuten muss!

12.The Penultimate Peril: Die Zukunft

Daniel Handler schreibt andere (nicht nur) Kinderbücher – vielleicht finden einige von ihnen den Weg auf unseren Blog.
Gespräche für eine Fortsetzung des 2004 in die Kinos gekommenen Films wurden schon lange eingestellt – die Schauspieler wären wohl nun auch schon viel zu erwachsen.
Netflix soll den Dreh einer zweiten Staffel der Serie bereits veranlasst haben – irgendwann nächstes Jahr gibt es also Nachschub!

13.The End: Das Fazit

Wie unschwer zu erkennen, liebe ich die Bücher und empfinde den Film als bestmögliche Adaption. Die Netflix-Serie verfälscht ein wenig das Bild, dass ich von der Geschichte hatte. Ich habe aber auch schon viele gegenteilige Stimmen gehört, die die Serie lobpreisen – allerdings wird sie zumeist von Leuten gemocht, die die Bücher nicht kennen.

Was sagt ihr? Seid ihr ebenso aufgebracht, dass Netflix sich an den Stoff heranwagen durfte, findet ihr den Film total schlecht, oder lest ihr generell lieber einfach nur ein gutes Buch, ohne dabei an mögliche Verfilmungen zu denken?
Ich freu mich wahnsinnig über eure Antworten!

Eure

wortgewald


Anmerkungen: Die verwendeten Buch-Titel werden ob der herrlichen Alliterationen auf Englisch genannt – mea culpa.
Weiters habe ich die Bücher im zarten Alter von etwa 12 gelesen – damals war ich vermutlich weitaus leichter zu beeindrucken als heute, und viel lese-unerfahrener noch dazu. Zudem neigen viele von uns, ich eingeschlossen, dazu, die Vergangenheit zu beschönigen. So erinnere ich mich wage daran, beim Lesen schon auch viel geschimpft zu haben.

Bilder © liegt bei mir (Der schreckliche Anfang Buch-Cover) und Netflix (Trailer-Filmstill der Serie) – Das mittige Bild vom Film ist ohne Copyright, darf also kommentarlos verwendet werden.