Fauteuil

Französisch für „ein gemütlicher Sessel mit Armlehnen, dem ich gerne einen edel klingenden Namen geben würde“

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Burial Rites – Eine düstere Saga

burialrites4 So beginnt die Geschichte von Agnes Mágnusdóttir, einer Magd mittleren Alters, die im Island des 19. Jahrhunderts zum Tode verurteilt wird. Wieso, erfährt man ebenfalls gleich: Sie und zwei andere sollen einen Heiler und dessen Freund ermordet und dann angezündet haben, um die Spuren zu verwischen. Die Strafe dafür: Enthauptung. Doch weil die Axt dafür aus Kopenhagen bestellt werden muss, bleibt Agnes noch ein bisschen Zeit. Diese verbringt sie als Gefangene auf einem Hof, den sie seit ihrer Kindheit kennt – und dort erzählt sie einem Priester, was sich in der Mordnacht wirklich zugetragen hat.

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Eine Island-Karte mit für die Geschichte wichtigen Gehöften.

Hannah Kent, die als Austauschstudentin zum ersten mal nach Island kam und das Land so lieben lernte, erzählt die Geschichte jener Frau, die 1830 als letzte Person auf Island hingerichtet wurde. Obgleich es sich um ein fiktionales Werk handelt, hat Kent lange und mithilfe vieler isländischer Geschichtsprofessoren und Archivaren recherchiert, um so jene tragischen Ereignisse nachzustellen, die sich rund um Agnes Mágnusdóttir ereignet haben. Die lange Recherche hinterm Buch ist auf angenehme Weise beim Lesen spürbar – jene Zeit in Island wird irgendwie greifbar, ohne aufdringlich zu werden.

Ich bin sonst kein Fan von historischen Romanen, da mich die Geschichten rundherum zumeist nicht brennend interessieren, und – pardon my french – solche Bücher sehr oft sehr schlecht recherchiert und/oder geschrieben sind. Auf Englisch gelesen, war dieses Buch eine sehr willkommene Ausnahme.

Burial Rites ist mir durch meinen Schwager zufällig in die Hände gefallen – meines Wissens bekam er das Buch auf einem Geschäftsflug nach Island in die Hand, quasi als Einstimmung auf das Land. Agnes düstere Erzählungen, die im Buch beschriebenen rauen Landschaften und das unberechenbare Wetter zeichnen ein dunkles Bild dieses Landes – gleichzeitig macht das Buch große Lust, selbst einmal nach Island zu reisen, um alldies am eigenen Leib zu erfahren.

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Joy Division

Name einer Post-Punk-Band – inspiriert durch das Buch „The House of Dolls“ von Yehiel Feiner. Darin geht’s um ein Lagerbordell in Auschwitz: Die „Joy Divisions“ waren jüdische Frauen, die sich für die Nazis, aber auch ihre eigenen Mitgefangenen prostituieren mussten. Feiner schrieb auch unter dem Namen „Ka-Tsetnik 135633“ – er wurde selbst nach Auschwitz deportiert und hat den Holocaust überlebt.

Wie man einen Psychopathen erkennt

Spoiler: Es gibt eine Check-Liste. Das und vieles mehr steht im Buch „The psychopath test“ von Jon Ronson. Wahrscheinlich kotzt es euch schon an, das ständig zu lesen, aber ich bin wiedermal im Begriff, ein Fangirl zu werden: Ronson ist Journalist, und hat in seiner Karriere unter anderem schon über Männer, die auf Ziegen starren und Frank Sidebottom geschrieben. Obgleich ich die Filme gesehen, aber die Bücher nicht gelesen habe (kreuzigt sie! Mea culpa – Ich plane, das baldigst nachzuholen.) bin ich mir ziemlich sicher, dass sie genauso toll sein werden wie „The psychopath test“.

In diesem non-fiktionalen Buch (Der deutsche Begriff „Sachbuch“ trifft es hier finde ich nicht so ganz gut) geht es um Ronson selbst, und seine Reise durch die „madness industry“, wie er sie nennt. Er trifft unter anderem Bob Hare, den Entwickler der Psychopathen-Checkliste, diverse Scientology-Mitglieder, zu denen er gebührenden Abstand hält, einige Geschäftsmänner, einige Straftäter (die letzteren beiden überlappen da manchmal), Psychotherapeuten und ihre Patienten, und vor allem: Psychopathen in ihren unterschiedlichsten Formen und Farben.

 

Jon Ronson erzählt so, als ob man während seiner Reise neben ihm im Auto sitzen würde, und er stellt angenehm oft die richtigen Fragen: Unprätentiös, und ob der Themen trotzdem wahnsinnig interessant. Zu sagen bleibt natürlich, dass Ronson in erster Linie kein Sprachkünstler ist, sondern Journalist. Trotzdem liest man hier keinen Zeitungsbericht in Romanlänge, sondern einen Roman mit ihm persönlich in der Hauptrolle. Die Sprache muss allerdings vor der Fülle an Information zurückstecken – blumige Formulierungen wären auch Fehl am Platz.
Das Coolste: Es ist nicht fiktiv. Das Zeug gibt es echt. Der Typ ist wirklich so cool, und hat über all das ein Buch geschrieben. Gehet, und lest alle daraus. Oder vielleicht eins seiner anderen Bücher. Oder seht euch seinen Ted Talk zum Buch an!

 

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P.S.: Entschuldigt den Augenkrebs, ich habe das Beste aus der Selfie-Kamera meines sterbenden Handys herausgeholt. Baldigst bessere Fotos, versprochen.