The Gargoyle – Horrorliebe

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Diesmal in BOO-ktober: The Gargoyle von Andrew Davidson. Damit wir auch mal zu mehr Mystery als Horror kommen. Wer sich aber vor Verletzungen, insbesondere Brandverletzungen, ekelt, der dürfte mit diesem Buch einige beschauernde Stunden verbringen können. Also los geht’s:

So sehr ich mich auch bemühe, ich kann dieses Buch leider nicht rezensieren. Ich kann es nicht kritisch betrachten. Ich finde dieses Buch viel zu gut, um eventuelle Löcher im Plot oder Klischees beschreiben zu können. Nämlich anders als sein Cover und das Preisschild vermuten lassen, ist The Gargoyle kein Fantasy-Trash mit Hang zum BDSM. Ich habe schön länger kein Buch so gerne gelesen und so sehr die Auflösung herbeigefiebert, wie bei diesem. Bonus: Ich habe es auf einem Flohmarkt zur Erhaltung der Katzenfreunde gefunden.

Dass der Autor, Andrew Davidson, wirklich Arbeit in seine Novelle gesteckt hat, merkt man auf jeder Seite. Vor allem aber auf Seite 468, da zollt er nämlich den Büchern und Webseiten Tribut, die er auf seiner sechs Jahre dauernden Recherche verwendet hat. Fertig war das Ganze 2008, seit dem hat Davidson nichts mehr von sich hören lassen. Man kann nur hoffen, dass er an der Recherche für sein nächstes Buch sitzt.

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Aber genug Worte des Lobs. Worum geht’s bei dem Ganzen eigentlich: Unser namenloser Antiheld, aus dessen Perspektive das Buch geschrieben ist, hat ein Leben, dass man als „unglücklich“ und auch „unmoralisch“ beschreiben könnte. Im Zuge dessen gerät er in einen Autounfall in dem ein Großteil seines Körpers einen Brandschaden erleidet. Die nächsten Monate, und damit mehr als die Hälfte des Buches, verbringt er im Krankenhaus, wo schwer daran gearbeitet wird, seinen Körper wieder auf Betriebsmodus zu bringen. In diesen vielen Monaten der Wartezeit entwickelt er, neben einer Morphium-Abhängigkeit, die ersten nicht-selbstdestruktiven Beziehungen seines Lebens. Unter anderem mit der schizophrenen (oder ist sie das? wie mysteriös!) Marianne Engel, die ihm während seiner Heilung Geschichten aus ihren etwa 700 angeblichen Lebensjahren erzählt.  Die spannendste und längste davon handelt von ihr selbst und unserem Antihelden. Laut Marianne Engel waren die zwei in den ersten Jahren ihres Lebens ein Paar. Und bis zur letzten Seite weiß man nicht, ob sie einfach spinnt oder wirklich die Wahrheit sagt.

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Spannend wir das Ganze aber erst richtig durch die Umstände, in denen sich Marianne befindet: Sie war als junge Frau Nonne im Kloster Engelthal in Deutschland. Damit bringt der Autor eine Menge deutscher Mytho-/Theologie in die Geschichte. Wer, wie ich, nichts über dieses Thema weiß, wird absolut fasziniert sein. Marianne erzählt außerdem, dass ihr ihre „drei Meister“ befehlen, „Gargoyles“ (Wasserspeier) aus Stein zu hauen und ihnen eines von Mariannes tausend Herzen zu geben.

Für den Großteil des Buchs lässt einen der Autor zwischen ganz-sicher und absolut-verwirrt schwanken. Wen das noch nicht süchtig nach diesem Buch macht, den wird die wundervolle Sprache, in der er erzählt, überzeugen. Nochmal: Ich habe selten ein Buch so gerne, aber dann doch schweren Herzens ausgelesen. Und ich denke, da bin ich nicht die einzige. Lasset uns beten, dass dieses 460-Seiten Buch nie zu einem 90-Minuten-Film zusammen geschnipselt wird!

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