Booktober: Mary Shelley

Die schönste Zeit des Jahres für Bucherliebhaber ist angebrochen: Der Herbst! Das Wetter ist endlich kuschelig genug, um drinnen zu bleiben und zu lesen, ohne wegen dem Badewetter ein schlechtes Gewissen zu haben. Es ist die Zeit, in der wir uns in kuschelige Pullis und den Kamin an-werfen können! Deshalb gibt es ab jetzt jede Woche einen neuen Post rund ums Thema Boo-ktober! Diese Woche: Mary Shelley, die Erfinderin des Sci-Fi.

Eine der Auflagen von Frankenstein.
Eine der Auflagen von Frankenstein

Wem der Name erstmal nichts sagt, der sei unbesorgt, denn ihr berühmtestes Buch kennt jeder: Frankenstein! oder auch: „Der moderne Prometheus“. Nämlich wie Prometheus in der griechischen Mythologie maßt sich nämlich Dr. Frankenstein an, dem großen Schöpfer eins auswischen zu können und bastelt sich seinen eigenen Menschen. Für damalige Verhältnisse, also 1818, galt die Idee zwar als ketzerisch, das Buch war aber trotzdem ein Bestseller (für Mittelalter-Verhältnisse). Unter anderem aus Angst um ihr eigenes Wohl entschied sich Shelley, das Buch vorerst anonym zu veröffentlichen.

Wie viele kreative Genies verlief Shelley’s Leben nicht gerade bilderbuchhaft. Ihre Eltern waren Philosophen, der Vater Atheist, die Mutter Feministin. Ihre Mutter, Mary Wollstonecraft, ist am besten bekannt für ihre „Vindication of the Rights of Woman“, in der sie behauptet, Frauen wirken nur deswegen Männern unterlegen, weil sie selten bis nie so gut gebildet sind. Sie starb kurz nach Mary Shelley’s Geburt. Mit 16 brannte Mary mit ihrem späteren Ehemann, Percy Shelley, durch und entkam damit der fehlenden Aufmerksamkeit ihrer Stiefmutter.

“Invention, it must be humbly admitted, does not consist in creating out of void but out of chaos.” – Mary Shelley

Mary Shelley gilt zwar offiziell als eine der prägendsten Kräfte des frühen Sci-Fi Genres, keinen Streit darum gibt es aber auch nicht. Von manchen wird Johannes Kepler’s Somnium, erschienen 1608, als erste Sci-Fi Novelle erachtet. Sie handelt von einem Traum, den Kepler hat, in dem ihm ein Dämon erscheint, der über Reisen zum Mond berichtet. Das ganze klingt zwar sehr nach Sci-Fi, enthält aber nicht wie Shelley’s Frankenstein eine wirkliche Darstellung des beabsichtigten Erschaffens von etwas nicht-weltlichem durch Menschenhand, nämlich keinen Raumschiff oder, von mir aus, einem Gravitations-Strahl, der die Menschen zum Mond befördert. Sie werden einfach vom Dämon raufgeschoben. Abgesehen davon wird Mary Shelley deswegen als Erfinderin des populären Sci-Fi Genres gesehen, weil sie ihr Buch auf Englisch verfasste, und nicht auf Latein, wie Kepler. Damit machte sie das Buch viel mehr Menschen zugänglich. Außerdem hat bestimmt jeder im westlichen Kulturkreis von Frankenstein zumindest einmal gehört. Somnium? Nicht wirklich.

Sci-Fi ist zwar nicht wirklich Horror, in den Boo-ktober passt Frankenstein aber trotzdem ganz gut, finden wir. Mary Shelley war nicht nur BFFs mit Lord Byron, einem der Greaten Britischen Dichter (die allesamt einen Emo-Charakter hatten, man denke an Edgar Allan Poe), sondern schrieb schon mit 21 Jahren einen Bestseller, der das gesamte Heileweltbild vom christlichen Großbritannien in Frage stellte. Und wurde dafür nicht am Scheiterhaufen verbrannt. Ein feministischer Erfolg, der bis ins Heute nachhallt.

 

Foto: Chris Drumm

 

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