Gruber geht vs. Gruber läuft

Während man den Ostermontag nutzt, um sich von den Oster-Strapazen des Nestsuchens und Schokohasenessens zu erholen, kann man sich ja oft kaum rühren – ideal also, um eine Fleißaufgabe zu machen, und Film zu schauen! Deshalb präsentiert Wortgewald heute exklusiv:

– Gruber geht – Buch vs. Film! – 

Was Autoren gerne hören: Das Buch war schon viel besser. Es stimmt meistens, leider auch hier. Dabei waren die selben 5 guten Schauspieler dabei, die bei keiner österreichischen Produktion fehlen dürfen, die Dialoge waren schmissig, alles sehr nett. Nur eben nicht mehr.

Gruber geht erzählt die Geschichte von Johannes „John“ Gruber, der ein typisches neureiches Business-Arschloch ist, und das eigentlich auch bleibt, egal, ob er fickt, sich verliebt, oder…das Leben zu verlieren droht. Das Buch lebt allerdings gar nicht so vom Plot, sondern eher von den Dazwischen-Dingen: Songs, die Gruber hört; Gedanken, die Gruber dabei hat; Gegenden, durch die er wankt; seine Art zu reden; seine Art, (nicht) zuzuhören – You get the point.

Der Film wirft außer ein paar schalen Dylan-Referenzen eigentlich nicht viel davon ab, und bleibt so in dieser Bobo-Dramen-Romanze stecken, in der Hauptdarsteller Manuel Rubey eh immer zu stecken scheint. Ich nehme ihm nicht so ganz den bösen, Kinder fressenden Wolf ab, den er mimen soll, und die Sätze, die ihm in den Mund gelegt werden, würden diesem so nie in Echt entströmen („…ja, und der ist auch echt schnell, aber nimm deine Dreckspfoten von meinem Lederlenkrad.“)

Also Kids, lest das Buch. Der Film ist nur das Zuckerl, für nachher, wenn man noch nicht genug hat, vom Gruber.

 

Kryptobiose

kryptos = verborgen, bios = leben
Bärtierchen und ihre Freunde können ihren Stoffwechsel so weit herunterfahren, dass sie einen todesähnlichen Zustand erreichen. Sie brauchen dann nur ein Minimum an Sauerstoff, und können lebensbedrohlichen Temperaturen und Radioaktivität standhalten. Manche überleben so jahrelang. Dahinsiechen auf hohem Niveau, quasi.

Gotland – Über Schweden, Inzest und Michael Stavarič

Als ich Michael Stavarič bei den Rauriser Literaturtagen um eine Signierung bat, fragte ich ihn, was ihm an seinem Roman Gotland gefällt. Er antwortete, relativ schnell: „Dass er so vielschichtig ist.“ Und weiß Gott (pun intended), das ist er.

Gotland ist eine schwedische Insel, auf der die größte Erhöhung atemberaubende 82 Meter über dem Meeresspiegel beträgt. Trotzdem beginnt Gotland mit einem 18-seitigen Vorwort, in dem der Autor beschreibt, wie er abertausende Seiten über die Erklimmung eines gigantischen Berges auf Gotland schreibt. Das Manuskript verbrennt er am Ende, es bleibt zu rätseln, ob es je wirklich existiert hat.

Dem folgt ein Epilog über die Insel Gotland und ihre (ich wage zu behaupten, erfundene) Geschichte mit dem Gott des christlichen Glaubens, der schon eher wie der Rest des Buches aus dem Hirn des Protagonisten stammen könnte, aber man weiß es nicht.

Dem folgt die makabere Geschichte des aufwachsenden Protagonisten. Unser bis kurz vorm Ende (taktisch überlegt) namenloser Patient wächst erzkatholisch auf, mit Analfixierung wegen mangelnder sexueller Aufklärung und Allem. Er vergöttert seine ihn allein erziehende Mutter nicht nur inzestuös, sondern auch als eine Art Gott, ersteres scheint sie teilweise zu erwidern (oder auch nicht? es ist alles sehr, sehr vage).

Die letzten Kapitel seiner Erzählung wirken wie ein düsterer, apokalyptischer Fiebertraum zwischen Sekten-Experience und Drogentripp, und man weiß gar nicht, wo hat das jetzt angefangen? Und was will es? Am Ende wird zwar alles aufgelöst, danach folgt aber ein Ende Teil 2, sozusagen, das zwar aufgelöst aber auch hochgradig verwirrt zurücklässt. Ach, lies es einfach.

Sprachlich gibt Gotland schön viel her. Es liest sich wie eine sehr sehr detaillierte Erzählung am Lagerfeuer, was nahe liegt, denn am Ende erfahren wir, was wir schon geahnt haben: Es ist ein Tagebuch (bis auf die Teile, die überhaupt kein Tagebuch sind).

Michael Stavarič sagte mir noch, er habe so lange an dem Buch gearbeitet, und er hoffe „es ist gut geworden“. Und weiß Gott, das ist es.